April 25 2016

Plan & Struktur für Kumen-Esh

Ich bin kein Plan-Schreiber. Ich habe noch nie eine Geschichte geplottet, bevor ich sie geschrieben habe und die besten Ideen kommen mir während des Schreibens. Mein Bauchgefühl und meine Finger geben an, wo es langgeht, und mein Kopf darf sich mit den Problemen und Sackgassen herumschlagen, die sich vor mir auftun.
Bisher so gut, so lustig.
Kumen-Esh ist natürlich auch nicht vorgeplant. Es fing damit an, dass ich mich dazu bringen wollte, jeden Abend ein bisschen zu schreiben, egal in welcher Qualität. Deshalb gab es da am Anfang auch nicht mehr als Hitoro (damals so cool wie heute), Jannis (damals noch mit einem N), Yelena (damals noch hysterisch) und Nate (damals noch Alkoholiker), die sich auf einem Raumschiff mehr oder weniger höflich die Köppe einschlugen. Konnte ja keiner ahnen – ich am allerwenigsten! -, dass daraus tatsächlich ein vollständiger Roman wurde.

Die Figuren entwickelten schnell ein Eigenleben, während ich mir parallel zum Schreiben nach und nach Details zum Hintergrund ausdachte, erste Logiklöcher stopfte und mich kapitelweise an der Frage: Was passiert jetzt? entlanghangelte. Zu meinem Glück hatte ich – entgegen meiner Schreibgewohnheiten – aber ein großes Ziel vor Augen, nämlich genau das Finale, das ich vor wenigen Tagen geschrieben habe.
Nun, nicht genau so. Vielmehr eine vage Ahnung dessen, was am Ende der Geschichte passieren sollte.

Manchmal hatte ich einen Plotpunkt schon Monate im Voraus im Kopf und habe darauf hingearbeitet. Manchmal fiel mir nachts zwischen zwei Schreibtagen etwas ein, das mich meinen ganzen Plan über den Haufen werfen ließ. Ich folgte da meistens meinem Gefühl – und jetzt habe ich den Salat:

In den ersten Kapiteln stimmen die Dinge vorne und hinten nicht mehr. Charaktere verhalten sich anders als im späteren Verlauf, Hintergrundinfos haben sich geändert, sind veraltet und falsch, Tatsachen wurden neu definiert. Das reicht von kleineren Sachen (eine zusätzliche Person an Bord der Risen im 4. Kapitel), über größere Änderungen (anderes Verhalten der Antagonisten bei ihrem ersten Auftritt, dadurch eine komplett andere Atmosphäre in diesem Kapitel), bis hin zu gewaltigen Problemen (eine Prota-Gruppe erreicht einen Schauplatz über einen komplett anderen Weg als bisher, bekommt deshalb Informationen schon früher und braucht eine neue Motivation, um das zu tun, was sie tun müssen).

Daraus resultierend muss ich sehr viel neuschreiben und umschreiben. Teilweise fallen Kapitel weg, weil Dialoge an anderer Stelle untergebracht werden, ein paar Kapitel müssen aufgeteilt werden, andere zusammengezogen.

Ich brauche also eine vernünftige Übersicht über meine Handlung und den Inhalt der Kapitel.
So leicht gesagt und so schwer umzusetzen.
Eigentlich hätte ich nämlich den gesamten Roman gerne in einem Dokument. So könnte ich schnell Szenen herumschieben, zwischen den Kapiteln scrollen, romanübergreifend nach Begriffen/Namen suchen, Namen leicht ersetzen, usw.
Andererseits finde ich es furchtbar unpraktisch, immer mit 400 Seiten arbeiten zu müssen. Um an den einzelnen Kapiteln zu arbeiten, hätte ich lieber ein Dokument pro Kapitel, so dass ich genau sehe, wie umfangreich das jeweilige Kapitel ist. Meine ganzen Notizen und alternativen Szenen könnte ich einfach in dieses Dokument packen, auch mal zwei Versionen schreiben und sie vergleichen.
Daran wiederum ist allerdings unpraktisch, dass ich zur Zeit auf 82 Kapitel komme und mir 82 Word-Dokumente einfach zu unübersichtlich sind.

Heute habe ich also den Nachmittag damit verbracht, alle Einzelteile in ein Hauptdokument zu kopieren, so dass ich den Roman zum ersten Mal tatsächlich an einem Stück in einem Dokument habe. Dann habe ich Kapitelüberschriften als solche markiert, um mir ein automatisches Inhaltsverzeichnis anlegen zu lassen.
Brachte nicht so viel, da die Kapitel den Namen des Perspektiventrägers als Titel tragen und mir sieben „Yelena Ivanova“ nicht weiterhelfen, wenn ich die Szene suche, in der sie Nate zur Sau macht.

Folglich gab ich den Kapiteln im nächsten Schritt möglichst aussagekräftige Arbeitstitel. So bietet mir das Inhaltsverzeichnis zumindest einen groben Überblick über den Handlungsverlauf. (Mal abgesehen von der Tatsache, dass die Kapitel stellenweise noch nicht in der richtigen Reihenfolge stehen).

Inhaltsverzeichnis

Während dieser Titelsuche fiel mir auf, dass ich bei einigen Kapiteln sofort wusste, was dort geschieht und welche Schlagworte angebracht sind. Bei anderen Kapiteln dagegen hatte ich selbst nach dem Überfliegen des Geschriebenen Probleme, den Inhalt mit nur ein paar Wörtern zusammenzufassen.
Das ist eine interessante Erkenntnis für mich: Thematisches Chaos, keine klare Linie, kein roter Faden, keine zielgerichtete Handlung/Dialoge (oder zu viele Ziele für ein Kapitel).
Beim Überarbeiten werde ich ein besonderes Auge darauf haben und versuchen, eine einheitliche Linie zu finden und ein mögliches Themen-Chaos zu beseitigen. Vielleicht indem ich Gespräche in andere Kapitel auslagere oder Kapitel aufteile, jeweils mit unterschiedlichem Fokus.

Als nächstes möchte ich mir zu jedem Kapitel eine kurze Inhaltsangabe schreiben, vermutlich inklusive aller handelnden Personen und wichtigen Infos so wie Handlungsorte. Sowas habe ich noch nie gemacht und diese ganze Theorie ist mir ein bisschen suspekt, aber versuchen will ich es auf jeden Fall mal.
Außerdem mache ich mir kleine Kärtchen (eins pro Kapitel) mit einer Inhaltsangabe, die ich benutzen kann, um testweise die Reihenfolge der Kapitel zu verändern. Zumindest für die Kapitel, für die ich im Moment noch nicht einmal die Ahnung einer Reihenfolge habe. Sind zum Glück nur etwa 20 Stück.

Obwohl ich zwischenzeitlich der Verzweiflung nahe war, bin ich froh, jetzt schonmal einen groben Überblick zu haben. Dank meiner Inhaltsangabe sehe ich direkt, dass mein Pacing offenbar nicht so daneben ist, wie ich befürchtet hatte. Nach 8/82 Kapiteln taucht die namensgebende Station auf (alles davor betrachte ich eher als Einleitung), nach 14/82 Kapiteln wird an Bord gegangen, in Kapitel 21 haben die Antagonisten ihren ersten Auftritt. Genau in der Mitte (Kapitel 42) gibt es einen wichtigen Wendepunkt und der Tod eines Protagonisten liegt hübsch im hinteren Drittel (ich hatte befürchtet, die Szene käme zu früh in der Handlung).

Ich bin wahrlich kein Experte, aber auf den ersten Blick gefällt mir der Verlauf meiner Handlung in dieser Übersicht ganz gut. Und mit kleinen Kärtchen werde ich auch die Reihenfolge der Kapitel hinbekommen.

Alles funktioniert besser mit kleinen Kärtchen. Vor allem wenn sie bunt sind.

 




Veröffentlicht25. April 2016 von Lanna in Kategorie "Kumen-Esh

Über den Autor

verträumt, chaotisch, wortverliebt.

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